Category Archives: ZUM FILM

Die Regisseurin spricht über die Dreharbeiten

„Sobald ich davon gehört hatte, wollte ich auf dem Boot von Boats4People sein, um einen Teil meines Films “Die Mechanik des Stroms, einen Dokumentarfilm über die Gewalt der europäischen Migrationspolitik, zu drehen. Letztendlich, dank des Films “No comment, den Joël Labat und ich in Calais gedreht hatten und unseres bekannten Engagements zur Frage der Migration, hat uns das Team von Boats4People gefragt für die gesamte Reise zu verfolgen und ein Film über die zu Aktion zu drehen.

Die Reise in Begleitung von Aktivisten aus verschiedenen Ländern war besonders intensiv und bereichernd. Auf diesem Boot zu sein auf dem Weg ans andere Ufer, in entgegengesetzter Richtung der Migranten, um auf dem Meer unsere Solidarität mit ihnen  und unsere Revolte gegen eine tödliche und rassistische Politik auszudrücken, gab jedem von uns ein Gefühl am richtigen Ort zu sein, im Einklang mit sich selbst. Auch wenn alle an Bord wussten, dass der Weg noch lang sein würde bis die europäische Gemeinschaft, die Menschen und Regierungen, ihren Blick auf die Frage der Migration ändern werden, auch wenn wir uns alle bewusst waren gegen den dominanten Strom zu schwimmen, der in dieser Zeit der Wirtschaftkrise den Migrant zum Sündenbock macht, hatte jeder auf diesem Boot das Gefühl einen besonderen Moment zu leben und die Hoffnung am Anfang einer wichtigen internationalen Bewegung zu stehen.

Grazia Bucca-13072012-Verso Ksibet el Madiouni-grazia.bucca@gmail.com - copie

Die Präsenz an Bord der italienischen Aktivistin Silvia Baraldini, selbst Flüchtling, Kämpferin in der amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 70er Jahre, die ihr Engagement mit 23 Jahren Gefängnis bezahlen musste, bestärkte uns in diesem Gefühl. Für Joël und mich war es sehr berührend die verschiedenen Gedenkfeiern zu filmen, die bei jedem Zwischenstopp organisiert wurden. Für uns war es eine Art und Weise all diesen Toten, 20 000 Registrierte seit 10 Jahren-ein hoher Preis für die Schließung unserer Grenzen, eine Existenz und Würde zu geben. Diese unsichtbaren Toten mit denen sich alle abfinden und die wir gerne vergessen würden.

Wir wurden uns beim Filmen dieser Gedenkfeiern bewusst, dass in Abwesenheit eines echten Mahnmals für die Toten, diese Bilder irgendwie zu einem filmischen Mahnmal wurden. Zwanzigtausend junge Tote, die lediglich ihr Recht auf freie Zirkulation ausübten, ein Recht, das in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der UN festgeschrieben ist und manchmal so essential ist, um ein Leben, eine Würde oder einen Traum zu retten; ein Recht, das den nationalen Gesetzen vorsteht, die es verhöhnen. Eines Tages vielleicht, wenn die Migrationen beschleunigt durch den Klimawandel ein normaler Bestandteil der neuen Welt geworden sind, wird sich die Geschichte an dieses Boot erinnern, dieses „Narrenschiff“ kommend von den beiden Ufern des Mittelmeers und den vier Ecken Europas, das , wie David gegen Goliath, versucht hat sich gegen das zu stellen, was man eines Tages ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit nennen wird.“

 Nathalie Loubeyre, Regisseurin der Dokumentation